Ende August 2026 schließt die Metzgerei und Catering Marcinek in Felsberg für immer ihre Türen. Mehr als sieben Jahrzehnte lang war der kleine Laden in Schulstraße 6 weit mehr als ein Geschäft – er war ein Stück Heimat. Im Jahr 1953 startete Josef Marcinek in Lohre, ab 1993 übernahm Hubert Marcinek die Geschäftsführung. Mittendrin die Gründung des Felsberger Geschäftes sowie die Präsenz in der Kasseler Markthalle.
Als Mitglied des Ortsbeirats habe ich in den letzten Tagen viele Erinnerungen aus der Felsberger Nachbarschaft gesammelt. Sie zeigen, warum dieser Abschied so vielen Menschen nahegeht.
Der Gründer und seine Geschichten
Wer an Marcinek denkt, denkt zuerst an Jupp Marcinek, den Gründer. Martina Dörrfelder erinnert sich an eine Szene, die den Charakter des Ladens bis heute prägt: Freitags ging Jupp gern ins Café Wagner zum Kartenspielen – mit Toupet, versteht sich. Lief das Spiel schlecht, flog das Haarteil schon mal quer durch die Gaststube. Jupp nahm es gelassen, setzte es wieder auf und spielte weiter. Kein Ärger, immer freundlich. Genau diese Freundlichkeit, sagt Dörrfelder, war der Grund, warum Generationen von Felsbergern für gutes Grillfleisch und Hackfleisch „zum Jupp“ gingen.
Kindheitserinnerungen an der Fleischtheke
Für viele begann die Verbindung zu Marcinek schon im Grundschulalter. Daniel Bernhardt kaufte dort als kleiner Junge Fußballbildchen und Capri-Sonne, später wurde er zum treuen Kunden für Grillgut und Hack. Eine besondere Erinnerung: kurz vor Weihnachten fiel einmal die heimische Kühltruhe aus – Marcinek half kurzfristig mit frischen Hasen aus. Auch Alexandra Fabry verbindet ihre Jugend eng mit dem Laden. Als Achtjährige kaufte sie dort Alaska-Boy-Wassereis für zehn Cent, später fuhr sie eigenständig mit dem Fahrrad hin, um für das evangelische Jugendzentrum einzukaufen. Ob Mettbrötchen mit Zwiebeln oder Zutaten für Crêpes und Arme Ritter – Marcinek war immer nur einen Sprung über die Straße entfernt.
Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt
Die Qualität sprach sich weit über Felsberg hinaus herum. Michael Kreile kaufte dort schon in den frühen 1960er-Jahren mit seiner Tante ein und bedauert, dass mit Marcinek wieder ein traditioneller Betrieb verschwindet, der noch selbst produzierte. Besonders eindrücklich ist die Geschichte von Michael Willershausen: Nach einem Umzug seines Arbeitsplatzes nach Kassel entdeckte er den kleinen Marktstand von Marcinek in der dortigen Markthalle – und wurde Stammkunde für das würzige Gehackte mit Knoblauch, das freitags zum festen Bestandteil seines Wocheneinkaufs wurde. Sogar seine Verabschiedung in den Ruhestand im Mai 2026 ließ er vom Partyservice der Metzgerei ausrichten. Bis heute fährt er für Nachschub extra nach Felsberg, zuletzt sogar mit dem Fahrrad von Homberg aus.
Ein Verlust für das Ortsbild
Die Geschichten zeigen ein Muster, das über Marcinek hinausweist: Immer weniger inhabergeführte Betriebe finden einen Nachfolger. Willershausen bringt es auf den Punkt – ähnlich wie bei der letzten traditionell backenden Bäckerei am Ort drohe auch hier der Rückzug echter Handwerksqualität zugunsten industrieller Massenware. Für den Ortsbeirat Felsberg ist das ein Thema, das über einzelne Geschäftsaufgaben hinausgeht: Es geht um die Frage, wie Nahversorgung und lokales Handwerk in einer Kleinstadt wie Felsberg auch künftig eine Chance haben.
Danke, Familie Marcinek
Am 29. August 2026 schließt die Metzgerei Marcinek endgültig. Zurück bleiben nicht nur leere Regale, sondern eine große Zahl an Menschen, die mit diesem Laden Kindheit, Familienfeste und Alltagsrituale verbinden. Im Namen des Ortsbeirats und vieler Felsbergerinnen und Felsberger: Danke für über 50 Jahre Qualität, Freundlichkeit und Gemeinschaft.
Ich bin seit meiner Geburt vor 53 Jahren Stammkunde und möchte gerne dieses Foto mit Euch teilen: als kleiner Junge beim 25 jährigen Jubiläum und ein aktuelles von mir, Ragnar Heil, im Juli 2026. Ich werde die ausnahmslose freundliche Bedienung, die wunderbar leckeren Grillspezialitäten, die Ahle Worscht, das beste Gehacktes der Welt, der unvergleichliche Fleischsalat sehr vermissen. Sehr.

Hast du auch eine Erinnerung an die Metzgerei Marcinek? Schreib sie gern in die Kommentare – gemeinsam halten wir die Geschichte dieses besonderen Ladens lebendig.

